Andacht

Umdenken und innehalten

Jahreslosung 2020

Gedanken zum Bild

von  Evi Schöps, Mitglied MMH

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Ein Schrei der Verzweiflung von einem, der am Ende ist. Am Ende seiner Kräfte, am Ende seiner Weisheit, am Ende seiner Möglichkeiten. Der Schrei eines Vaters – so erzählt es Markus –, der angesichts der furchtbaren Qualen seines Kindes am Ende nur noch Ohnmacht erlebt hat: seine eigene und die der anderen. Die Ohnmacht all derer, die er um Hilfe, um Heilung angefleht hat. Aber dieser letzte, verzweifelte Schrei hat nun eine neue Richtung: Jesus. Die neue Richtung – eine Wendung. Die Wendung zeigt sich in Hinwendung, der Hinwendung Jesu zu dem, der am Ende ist.

Das Fragezeichen. Signalrot und annähernd überlebensgroß steht es für den Unglauben, den Zweifel, den der Ver-zweifel-te in einem Atemzug mit seinem Glauben nennt. Der Unglaube wird nicht vertuscht, verschleiert, verharmlost, verkleinert. Alles wird in diesem Moment in Frage gestellt. Ja, mächtig ist dieses Fragezeichen schon – aber es bietet keinen soliden Halt. Und angesichts des zugewandten Jesus versucht der Mann auch gar nicht erst, sich daran festzuhalten. Er „besteht“ nicht auf seinem Zweifel. Sein Hilfeschrei ist bereits der Absprung von seinem Unglauben, der Absprung in etwas Neues. In die offenen Arme des einzigen, der das letzte Fünkchen Hoffnung noch in ihm wachhält, des einzigen, den er noch um Hilfe anzuflehen wagt. Und noch im Sprung nimmt das Blau der Figur deutlich an Intensität zu: Blau, Farbe des Glaubens, des Vertrauens …

Die angedeutete weiße Gestalt Jesu verbindet sich, wird eins mit dem ebenfalls signalroten Ausrufezeichen. Mit einem Ausrufezeichen hat auch der Schrei des Verzweifelten aufgehört: „… hilf meinem Unglauben!“ Das war mehr als eine Bitte, das war viel dringlicher, ein Schrei wie ein Befehl. Dem setzt Jesus sein eigenes, viel größeres Ausrufezeichen entgegen, wie eine Antwort. Diese Antwort wird im Bild sichtbar: „Du kannst nicht tiefer fallen als in meine Arme, nicht tiefer als in Gottes Hand.“ Das Ausrufezeichen, ein kraftvolles Stoppzeichen für den Unglauben. Rot wie ein Signal – nun aber ein Signal der Liebe.                                                                                             

Nur die weit geöffneten Arme Jesu ragen aus dem Ausrufezeichen heraus, folgen zunächst dem Querbalken des schmalen Kreuzes, das der Bild-Erzählung vorgelagert ist. Zart grün ist dieses Kreuz, in der Farbe keimender Pflanzen: nicht etwa ein Symbol des Todes, sondern des Lebens, der Auferstehung. Der erbarmungswürdige Mann richtet seinen Hilfeschrei – ob ihm das klar ist oder nicht – nicht an irgendeinen Wanderprediger oder Wundertäter, sondern an den von Gott gesandten Retter, an Jesus, den Christus, den Sieger über den Tod und alles, was das Leben bedrohen kann. Dem entsprechend geht das Kreuz über den Rahmen hinaus, der die Begrenztheit und Vorläufigkeit des erdgebundenen Lebens andeutet. Und auch der Punkt des Ausrufezeichens überwindet den Rahmen, füllt diesen mit seiner Symbolfarbe der Liebe. So ist alles, was im Rahmen dieser Begegnung geschieht, eingebettet in die Liebe Christi und umgeben von Gottes unsichtbarer Ewigkeit.

 

Viele liebe Grüße     Evi Schöps