Andacht

Eins aber ist Not

 

Die Worte der Jahreslosung 2021 sind eingebettet in den Rahmen des christlichen Verhaltenskodex der Bergpredigt:

Liebt die Feinde, segnet die euch Böses wünschen, betet für die Beleidiger, vergebt, richtet nicht, gib jedem, fordere nicht zurück, hilf ohne Gegenleistung und letztlich:

halte die andere Wange hin......!

 

 

 

Welch provokante Forderung und welch heroische Haltung kommt da zum Ausdruck. So paradox gegenüber weltlicher Gepflogenheiten, ist eine solche  Haltung befreit von Egoismus, Habsucht, Neid und Rechthaberei.

Die Aufmerksamkeit richtet sich liebevoll auf jeden Nächsten, ob unausstehlich, habgierig oder aufdringlich.

Als Christ möchte man sich gern danach ausrichten, doch gerade im alltäglichen Vollzug werde ich an meine Grenzen erinnert.

 

Jesus spricht:»Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!

 

Im hören auf das Wort für 2021, will ich trotz meiner Begrenztheit zustimmen; denn Barmherzigkeit braucht die Welt. Barmherzigkeit brauche auch ich für mich und für andere.

Die Vaterliebe vermag alles. Mit Ihr können Teufelskreise aufgebrochen werden. Mit seiner Schöpferkraft kann neues entstehen. Mit Ihm ist das Unmögliche wieder möglich...

In der Jahreslosung steckt für mich das Wort Erbarmen drin. Als Ort des Erbarmens steht das Herz, als Sitz des Mitgefühls im Mittelpunkt.

Auch unsere Arbeit in Tansania wird von einer barmherzigen Haltung vieler Menschen getragen. Unsere Arbeit lebt von den vielen Herzen unserer Unterstützer.

Damit ich über diese Haltung neu nachdenke, braucht es eine neue Form der Verinnerlichung. Daran will auch die Jahreslosung erinnern.

 

Im spirituellen Kontext nennt man die neue Verinnerlichung, Kontemplation.

Es ist eine Form der innerlichen Versenkung in das Wort Gottes und noch viel mehr in die Beziehung zum Vater. Das Gebet und die Stille vor Gott sind der Vorhof des Himmels. Sich darauf einzulassen, braucht Geduld, gerade für Menschen, die „Macher“ sind.

"Marta machte sich viel zu schaffen, Jesus zu dienen" ( Lukas 10, 40), als Jesus mal wieder in ihrem Haus zu Gast war. Maria dagegen "setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu" Darum antwortet Jesus auch auf die Klage der Martha über Maria, die an der Seite Jesu sitzt, statt in der Küche zu helfen: "Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden."

 

Barmherzigkeit beginnt bei der Begegnung mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Das Herz spielt dabei eine große Rolle. Dann setzt sich eine Haltung durch, die aus dieser Beziehung zum Vater lebt. So kann Barmherzigkeit im Alltag auch weiterhin wirksam werden.

 

Bleibt behütet.

 

Jörg Kerner, Schriftführer MMH