Andacht

Gott gab uns Atem damit wir leben...

Gott gab uns Atem, damit wir leben........

Nach der Verurteilung des weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin sprechen die Angehörigen davon, dass sie wieder aufatmen können; dass mit diesem Urteil ein Zeichen von Gerechtigkeit zu erkennen ist. Es ist nur der Anfang, doch auch ein Hoffnungszeichen, dass Rassismus in Amerika und weltweit kein Raum in dem zwischenmenschlichen Miteinander haben darf. Rassismus engt ein, nimmt die Luft zum Atmen.

I can´t braethe“

Dieser Hilferuf von George Floyd hallt noch lange nach und ist eine starke Aussage, die nicht nur auf Rassismus bezogen bleiben kann. Wenn Leben eingeengt wird und lebensnotwendige Ressourcen rücksichtslos ausgebeutet werden, wenn wirtschaftlicher Rassismus die Grundlage westlicher Lebensweise bleibt, machen wir uns mitschuldig.

Das Knie auf dem Hals derer, die Tag für Tag mindestens zehn Stunden auf den Plantagen stehen und Kakao schälen, damit die Schokolade schmeckt und billig bleibt.

 

Ich kann nicht atmen“ rufen die Frauen, die für Billiglabel in Bangladesh Kleidung produzieren und dafür weniger als 1 € erhalten. Die Tage in denen wir in billigen T-Shirts aus Bangladesh unterwegs sein können, werden Dank Klimawandel mehr. Die Kette der Ungerechtigkeiten sind lang. Es braucht mehr als nur Alibiaktionen, wie „Fairtrade“ oder Labelpolitik. Es braucht neue Visionen weltweiter Ressourcenverteilung.

 

Auf den Intensivstationen in Deutschland sind inzwischen wieder 5000 Betten belegt und viele dieser Korona-Infizierten können nicht mehr selbständig atmen. Beatmungsgeräte helfen ihnen ihre akute lebensbedrohliche Krise zu überbrücken.Schwestern und Ärzte sind überfordert und können kaum noch durchatmen. Gleichzeitig vor dem Kanzleramt demonstrieren hunderte „Querdenker“ ohne Maske für ihr Recht auf Freiheit. „Wir können nicht mehr atmen“ steht auf dem Transparent. Mir stockt der Atem.

 

Wo ist der Maßstab geblieben für die Wahrnehmung von Recht und Gerechtigkeit? Wo ist die Verhältnismäßigkeit für das Lebensnotwendige, für die Luft zum atmen die wir weltweit brauchen?

Ein einfaches Lied von 1982 öffnet den Blick auf den Schöpfer, der dem Menschen seinen Atem einhaucht. (Schöpfungsgeschichte,Bibel)

Der Text des Liedes öffnet den Blick auch auf die Freiheit, die Gottes Atem ermöglicht:

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns seh´n. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit besteh´n. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir versteh´n. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest steh´n. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben geh´n. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben geh´n.

Im Mai begehen wir Christen das Pfingstfest. Das Fest des Heiligen Geistes. Der Geist Gottes ist für den Glauben die treibende Kraft. Die Jünger Jesu haben diesen Geist empfangen, der ihnen trotz Enge und Verfolgung in die Freiheit führte. „Ruach“, der Geist Gottes, der den Blick weitet damit wir hinsehen. Gottes Geist, der die Ohren öffnet, damit wir neu hinhören. Der Heilige Geist ist Gottes Geistes-Kraft, der Verständnis fördert und Gerechtigkeit fordert, der uns zum Handeln führt.

Mit dem Geist Gottes können wir aufatmen, durchatmen.

 

Auf eine gesegnete Pfingstzeit.....

Jörg Kerner